"Hier hocke ich nun, schaue mir meinen Koffer an und mein Zeug liegt überall verstreut" sagte der Sänger kürzlich in einem Interview.
"Der Zimmerkellner hat mir einen Teller hingestellt, auf dem ein trockenes hartes Brötchen liegt und in Folie verpackte Butter. So geht das schon seit 15 Jahren. Das ist mein Leben" fuhr er fort. "Die Leute sagen zu mir: 'Du hast doch dieses tolle Haus in Bel Air' und das stimmt auch, aber das hier ist doch kein normales Leben". Er macht eine Pause und wiederholt, in dem er jedes Wort deutlich ausspricht: "Es ist nicht normal"!
Aber das ist der Preis, den man bezahlen muß, wenn man, wie er es nennt: "to go for the brass ring" - wenn man hoch hinaus will.
"Wenn ich jemand wäre, der Verlorenem nachweint, würde ich vermutlich bereuen, daß ich alles für die Karriere aufgegeben habe - meine Ehe ist kaputt-gegangen, ich habe keine Kinder - die Massen himmeln mich an. Das ist sehr schön, aber manchmal denke ich, daß es schwieriger ist, mit dem Erfolg umzu-gehen und ihn zu akzeptieren, als mit Mißerfolgen. Wenn du auf die Nase fällst, dann weißt du wenigstens, was du tun mußt; du mußt wieder auf die Beine kommen. Aber mit dem Erfolg klarzukommen, ist sehr verwirrend. Es ist eine sehr, sehr konfuse Zeit für mich. Ich glaube, 1978/79 (das erfolgreichste Jahr) war das beste und gleichzeitig das schlimmste Jahr für mich. Trotzdem", fügte er hinzu, "für die Musik hat sich das alles gelohnt".
Seine bemerkenswerteste Leistung in den 80iger Jahren waren die beiden jazzigen Alben "2 A.M. Paradise Cafe" (1984) und "Swing Street" (1987), bei denen er sich mit einigen der besten Leute in der Jazzbranche umgab - Gerry Mulligan, Phyllis Hyman, Mel Torme, Stan Getz - um nur einige zu nennen.
"Es war das gefühlvollste musikalische Erlebnis in meinem Leben" sagt Manilow. "Ich hatte zehn Jahre harter Arbeit hinter mir, dann habe ich einfach mal locker gelassen und mich in die Talente von Leuten wie Sarah Vaughn und Gerry Mulligan eingehüllt. Diese Tage während der kurzen Proben, als ich mit ihnen arbeiten konnte, waren der Höhepunkt für mich als Musiker - ich war hin und weg".
Plötzlich wurde die Presse auf den weißesten aller weißen Popsänger aufmerksam. Aber leider kam er nicht in die Top 40 Radiosendungen.
Überraschenderweise sagt Manilow, hat ihn das nicht enttäuscht. "Nein, nein, nein. Diese beiden Platten habe ich nicht gemacht, um damit in die Hitparade zu kommen. Tatsache ist, daß ich mich absichtlich von der Hitparade zurückgezogen habe. Und wer weiß, ich wäre da wohl auch nicht sehr willkommen gewesen. Ich hatte von der Popmusik einfach für eine Weile die Nase voll. Ich wollte mal auf ganz anderen Gebieten etwas machen. Ich glaube, diese Entscheidung war ganz gut, denn genau zu diesem Zeitpunkt wandten sich die Medien den Drum-Machines und den Tanzplatten zu. Das haben wir ja während der letzten fünf Jahre zu hören gekriegt".
"Aber", erklärt Manilow, "die Jazzphase in meiner Karriere ist jetzt erst mal vorbei. Es war ein wunderbarer Abstecher, weg von der Popmusik der letzten Jahre. Ich liebe den Jazz aber ich betrachte mich nicht als Jazzmusiker. Ich schreibe, singe und arrangiere Popmusik. Ich glaube, es würde mir gefallen, Rhythm & Blues, Jazz oder Klassik zu spielen und davon Platten zu machen, auch aggressiven Rock'n Roll, aber als Sänger habe ich einfach meine Grenzen. Jedes Mal, wenn ich versucht habe, mich in eine dieser Richtungen zu wagen, war ich damit nicht sehr glücklich. Das bin einfach nicht ich, das ist nicht ehrlich, dazu bin ich nicht fähig.
Meine nächste LP wird deshalb wieder an den Stil der Lieder erinnern, die ich vor fünf Jahren gemacht habe. Ich glaube auch, daß die Hitparaden wieder offen sind für Melodien - für romantische Songs wie "Weekend in New England".