Diverse Interviews - Seite 2


Der englische Fernsehjournalist David Foster unterhielt sich mit Barry über
seine Arbeit, sein Leben und sein Zukunftspläne.


Die Musik:

Barry:
Ich glaube, man hat mich einfach abgestempelt. Ich glaube, das Problem
ist - viele Künstler, die auf einem bestimmten Gebiet erfolgreich waren, haben das gleiche Problem - dass ich mit diesen romantischen, lyrischen Balladen groß herauskam, und es gab nichts, dass ich tun konnte, und was ich auch tat, ich
konnte nicht von diesem Image wegkommen. Ich konnte dieses Image nicht loswerden und so habe ich einfach aufgehört, es zu versuchen.

Die Tatsache, dass ich das Jazz-Album "2.00 A.M. Paradise Cafe" und "Swing
Street" gemacht habe, hat überhaupt nichts mit dem Image zu tun. Ich wollte das ganz einfach für mich selbst tun und ganz zufällig hat sich dadurch das Blatt für
mich gewendet.

D. F.: Ein Thema, das immer wieder auftaucht, ist Ihre Unsicherheit, gegen die Sie ständig ankämpfen müssen. Sie haben nie daran geglaubt, dass Sie gut genug
wären, um auf der Bühne zu stehen, dass Sie nicht gut genug aussehen, um so
etwas zu machen, dass Sie nicht genug Talent hätten, um als Darsteller zu arbeiten. Andere Leute haben an Sie geglaubt. Glauben Sie an sich selbst?

Barry: Ja, heutzutage mehr und mehr. Aber es ist ein ständiger Kampf bei mir. Wissen Sie, ich wurde dort einfach hineingeworfen und habe mich nie so ganz wohl gefühlt, ich fand mich irgendwie zufällig darin wieder. In dem Buch ... wissen Sie,
ich strebte nach einer völlig anderen Karriere, in der ich mich sicher fühlte, als Arrangeur, Komponist, Dirigent, Pianist, Produzent und Texter, all das kann ich sehr gut. Aber am erfolgreichsten war ich immer in der Selbst-Darsteller-Karriere, aber diese Selbstwerbung ist mir unangenehm und auf diesem Gebiet fühle ich mich am unsichersten.

Die englische Presse: ("The British press/ure")

Barry: Es ist komisch, wissen Sie, die Presse drüben (in England) ist so schleimig, was mich anbelangt. Sie sind schrecklich zu allen, aber sie sind besonders schrecklich zu mir. Wir kamen hierher und die Presse stürzte sich natürlich genau
auf das, worin ich mich am unsichersten fühle; ich dachte, kein Mensch würde zu den Konzerten kommen. Ich denke immer, dass niemand kommt. Wir gaben also die Konzerte und da gab es vielleicht 50 freie Plätze. Die Presse flippte fast aus - und ich, wissen Sie, ich sagte, ja, du bist ein Versager, das ist das Mindeste. Dabei waren es nur 50 Plätze.

Aber nicht nur ich, auch andere Leute bei ihnen müssen mit dieser schrecklichen Presse fertig werden. Ich weiß nicht, wie man ihnen die Nachrichten serviert. Ich finde es einfach verachtenswert. Ich meine, da ist ihre Royal Family. Das sind nette Leute, ich habe ja einige von ihnen kennengelernt. Und sie behandeln sie wie Abfall, die eigenen Leute, die man doch bewundern sollte. Sie sollten sie verehren, es sind nette Menschen. Und dann haben sie diese talentierten Musikstars und einer nach dem anderen wird von der Presse in Stücke gerissen. Das ist einfach schrecklich. Ich finde, sie sollten sich schämen. Ja, wirklich!

In all den Jahren habe ich der Presse ... ich habe immer versucht, so anständig wie möglich zu sein. Im Leben und im Beruf und der Presse gegenüber habe ich mich immer wie ein Gentleman benommen - und dann lese ich diese scheußlichen Sachen, die so unglaublich sind - es ist wirklich empörend! Sie sind sensationsgierig, sie suchen nach Schlagzeilen. Es ist wirklich schlimm. Sie tun mir aufrichtig leid!

Die Karriere:

Barry:
Es gefiel mir nicht, was mit mir geschah, als mich der Ruhm wie ein Schlag traf, weil ich überhaupt nicht darauf vorbereitet war. Ich kenne niemanden, der auf so einen Hurrikan von Erfolg vorbereitet wäre.

D. F.: Und es war unerfreulich, mit Ihnen zusammen zu sein?

Barry: Ja, das war es.

D. F.: War es schwierig für Sie, mit sich selbst klarzukommen?

Barry: Ja, das war es. Ich war ein Rotzjunge.

D. F.: Wie war das so?

Barry: Nun, es war, als wäre ich in Watte gepackt, mir kam es jedenfalls so vor. Ich erinnere mich, dass es war wie im Nebel. Ich nehme keine Drogen, habe nie welche genommen, aber ich stelle mir vor, dass man sich dann so fühlt, deshalb brauchte ich keine. Ich hatte dieses Gefühl der Unwirklichkeit, es war widerlich und ich verlor völlig die Kontrolle über mich selbst!

D. F.: Jetzt mal über Sie persönlich und finanziell, zwei Mal in Ihrem Leben, in Ihrer Karriere, standen sie ja da und mußten sich selbst wieder hochrappeln.

Barry: Ja, das zweite Mal war ich schlecht beraten worden. Das erste Mal war mir ja noch irgendwie verständlich. Das erste Mal, als "Mandy" auf Platz eins kam - so
habe ich es auch in meinem Buch beschrieben, habe ich zwei Anrufe zur gleichen Zeit bekommen; einen, dass "Mandy" es auf Platz eins geschafft hatte und den anderen im Zimmer von meinem Manager, der mir erklärte, dass ich pleite war, dass ich die Band von L.A. nicht zurück nach Hause bringen konnte. Aber das leuchtete mir schon irgendwie ein. Wir hatten unterwegs eine Menge Geld ausgegeben, und ich bemühte mich so sehr eine Show zusammenzustellen, die die Leute vom Hocker reißen sollte. (Barry sagt: "which would knock their socks off"). Und falls "Mandy" wirklich auf den ersten Platz kommen würde, dann wollte ich eine tolle Show als Nachfolger haben. Niemand hatte mir aber erzählt, dass man mit Schallplatten erst nach Jahren Geld verdient, weil man ja zuerst das Geld an die Plattenfirma zurückzahlen muß, die eine Menge für die Produktion der Platte ausgeben hat. Das dauerte natürlich eine Weile. Es war mir also verständlich, aber der richtige Schock kam, glaube ich 1980, als ich herausfand, dass ich ganze 11.000,00 Dollar besaß, nachdem ich 50 Millionen Platten verkauft hatte. Das war ein Schock, kann ich Ihnen sagen.

Es sind jetzt 12 Jahre. Es hätte schon vor Jahren vorbei sein müssen. Diese Karriere als Popsänger - ich sage Ihnen ja, dass ich überrascht war, als sie begann. Je bekannter ich wurde, desto häufiger fragte ich mich - na, wie lange wird das noch so weitergehen? Eine gute Zeit wären fünf Jahre gewesen - aber ich bin immer noch da!

Die Zukunft:

Barry:
Ich werde mich wahrscheinlich zurückziehen, wenn sich das Publikum zurückzieht. Wenn das Publikum da ist, werde ich wahrscheinlich auch da sein.

Nun, ich glaube nicht, dass ich mit 70 noch im gleichen großen Stil arbeiten werde. Ich glaube, ich werde etwas ruhiger werden, diese Show ist einfach zu gewaltig. Ich meine, das sage ich jetzt. Wer weiß, kommen Sie in fünf Jahren wieder und ich
werde noch immer mit acht Trucks unterwegs sein. Aber hoffentlich wird es mir möglich sein, ruhiger zu werden und eine kleinere Version, eine intimere Show zu machen, aber ich weiß es nicht.

Ich habe einen 5-Jahresplan. Ich habe immer einen 5-Jahresplan im Hinterkopf und mein Ziel wäre, irgendwie andere Leute zu produzieren, anderen Leuten beizu-
bringen, was ich alles lernen konnte, anderen Künstlern zu helfen dahin zu kommen, wo ich bin. Das würde ich gerne machen. Dabei würde ich mich wohl fühlen.

Ich meine, Sie haben ja die Band heute Abend gesehen. Da ist so ein Reichtum an Talenten auf der Bühne. Es würde mir ungeheuren Spaß machen, für einige von
ihnen Platten zu produzieren oder ihnen eine Show zu schreiben. Das würde ich liebend gerne machen. Oder für andere.

Das Buch:

Barry:
... das Schreiben hat mir großen Spaß gemacht, wirklich, aber wieder einmal war es mir unangenehm, dass ich das Thema war, über das ich schrieb. Ich sagte ja bereits, dass ich diese Selbst-Werbung als einen Teil meines Lebens betrachte, der mir zuwider ist, aber das Schreiben an sich habe ich genossen. Mir gefiel auch, meine (alten) Freunde zu befragen und lustige Sachen über Bette (Midler) zu schreiben. Dieser Part des Schreibens hat mir gut gefallen. Aber es störte mich,über mich selbst schreiben zu müssen!

Ich habe mich zu einem Schriftstellerkursus angemeldet. An der Universität von Kalifornien in Berkeley gibt es eine Lehrerin, mit der ich korrespondiere und sie sagt mir Bescheid, wenn es soweit ist. Sie hat keine Ahnung, dass ich es bin - ich dachte, es wäre nicht fair. Sie sollte glauben, ich sei ein Durchschnittsmensch, der lernen möchte, wie man Kurzgeschichten schreibt.

**************************************************************

Rockline Interview 1982:


Frage:
Mit welchen Problemen mußtest Du Dich bisher herumschlagen?

Barry: Es ist sehr schwierig, wenn jeder ein Stück von dir haben will - oder wenn
es dir zumindest manchmal so vorkommt. Es ist sehr schwer für mich zu erkennen, wer meine Freunde sind. Ich würde sagen, meine größte Enttäuschung war heraus-zufinden, dass Leute, die ich für meine besten Freunde gehalten habe, überhaupt keine Freunde waren.

Frage: Was noch?

Barry: Mit dem Erfolg richtig umzugehen, ist irre schwer - besonders für jemand,
der im Grunde schüchtern ist. Ich spiele nicht gern in dem "Super-Star-Spiel" mit,
ich gehe nicht gern auf Partys - und etwas, das mir wirklich Angst macht, ist mitten drin in einer großen Menschenmenge zu sein.

Frage: Würdest Du Dich selbst als jemand bezeichnen, der lieber zu Hause bleibt
als auszugehen?

Barry: Ja und nein - ich meine, wenn ich viel zu Hause bin, träume ich davon, wie
toll es wäre, unterwegs zu sein. Aber wenn ich dann auf Tournee bin, träume ich
davon, zu Hause zu sein.

**********************************************************************

CBS Nightwatch 1982:


Barry:
Wenn ich jemals etwas gegen das Reisen gesagt habe ... ja, es ist ein
bißchen anstrengend ab und zu und es ist ein wenig einsam, weil es immer das gleiche Holiday Inn ist.

Weißt Du, manchmal glaube ich, sie fahren mit mir einmal um den Block und
setzen mich im selben Hotel wieder ab und machen mir dann weiß, daß es irgend-
wo anders wäre. Es könnte so sein ...

**********************************************************************

16" Interview 1979 (?):


Barry mochte sein Aussehen als Kind überhaupt nicht.

Barry: Ich war so häßlich. Ich sah aus wie ein Wrack. Ich hatte kurze glattgekämmte Haare, ich wurde gnadenlos aufgezogen, weil ich so dünn war und ich kriegte den Bogen einfach nicht raus, bis ich eines Tages lernte, mit dem Fön richtig umzugehen.

Ich fragte mich andauern, wie kommt es nur, dass alle Leute so toll aussehen und
ich so schrecklich? Aber das lag daran, dass ich nicht das für mich passende ausgewählt habe. Ich war so untergewichtig als Jugendlicher, dass mich noch nicht mal die Armee haben wollte, so dünn war ich.